Risiken und Nebenwirkungen: Kindliche Entwicklungsstufen und Manipulation

Kinder erleben die Trennung ihrer Eltern auf sehr unterschiedliche Weise. Nicht mehr mit Mama und Papa zusammen unter einem Dach zu wohnen, löst in Trennungskindern häufig zunächst eine starke Verunsicherung aus. Gerade diese Unsicherheit macht Kinder zu leichten Opfern von Manipulation. Je jünger das Kind, desto hilfloser steht es der elterlichen Beeinflussung gegenüber. In der Entwicklungspsychologie werden vier Phasen der Entwicklung des Gehirns unterschieden. Diese erklären, warum gerade Kinder leicht dazu gebracht werden können, ihre eigenen Wünsche zu ignorieren und zur Marionette und Waffe eines Erwachsenen werden.

Pionier der Entwicklungspsychologie war der schweizer Biologe Jean Piaget (1896-1980). Sein Stufenmodell ist bis heute die umfassendste Theorie zur Entwicklung des kindlichen Denkens. Nach Piaget unterscheidet sich das Denken eines Kindes in jeder Entwicklungsstufe vom Denken eines Erwachsenen. Ist etwas für einen Erwachsenen logisch, muss es für ein Kind nicht zwangsläufig ebenfalls einleuchtend sein.

"Pass auf was du tust, um zu kriegen, was du willst." Capote #trennungsmonster #liebestattlügen Trennungskind Manipulation Entfremdung Trennungsschmerz PASSensomotorische Stufe (Säuglingsalter)

Die Phase zwischen der Geburt und etwa dem zweiten Lebensjahr bezeichnet Piaget als Sensomotorische Phase. Babys verfügen zu Beginn lediglich über angeborene Reflexe. Eltern können beobachten wie rasant sich Kinder in den ersten Lebensmonaten entwickeln. Babys nehmen viel durch Berührung war. Durch das Anfassen und Agieren mit Gegenständen erkunden sie die Welt.

Mit etwa einem Jahr lernen Kinder zwischen sich selbst und ihrer Umwelt zu unterscheiden. Sie verstehen, dass Dinge oder Personen weiterhin existieren, auch wenn sie sich außerhalb ihres Wahrnehmungsfeldes befinden (Objekt- oder Personenpermanenz).

Babys entwickeln sich bereits in dieser Phase auch im sozialen und emotionalen Bereich. Daher ist ein Kontakt mit beiden Elternteilen für Kleinstkinder von besonderer Bedeutung.

Präoperationale Phase (etwa 2-7 Jahre)

Im Alter von zwei bis ungefähr sieben Jahren befinden sich Kinder in der Präoperationalen Phase. Jetzt steht die Sprachentwicklung im Vordergund. Kinder können nun auch zwischen Vergangenheit und Zukunft unterscheiden.

In dieser Phase zeigt sich ein Phänomen, das Psychologen mit „Theory of Mind“ bezeichnen. Das beutet, dass Kinder sich nicht in andere hineinversetzen können. Sie denken, dass alle die Welt genau wie sie sehen. Bis zu einem Alter von vier bis fünf Jahren fällt es Kindern deshalb schwer Ironie zu verstehen, oder zu lügen.

In Deutschland können Kinder ab sechs Jahren in einem Sorgerechtsprozess vor Gericht angehört werden. Verlangt ein Trennungsmonster in dieser Phase, dass das Kind Lügen verbreitet, ist es gerade in der Lage zu verstehen, dass es lügt. Da man Kindern üblicherweise auch beibringt, dass Lügen schlecht sind, fühlt sich das Kind auch schuldig. Die kognitive Entwicklung des Kindes ist in diesem Alter jedoch noch nicht soweit forgeschritten, dass es entscheiden könnte doch die Wahrheit zu sagen. Der psychologische Druck ist immens, weil das Kind sich einerseits des falschen Verhaltens bewusst istDas Kind fungiert wie ferngesteuert. Das macht Kinder besonders am Ende dieser Phase sehr anfällig für Manipulation.

Konkrete Operationen (etwa 8-12 Jahre)

Die dritte Phase nennt Piaget Konkrete Operationen. Hier ist es Kindern möglich das eigenen Handeln zu reflektieren und voraus zu denken. Sie lernen logisch und auch Abstrakt zu denken. Kinder sind in diesem Alter in der Lage Hypothesen aufzustellen und Dinge miteinander in Beziehung setzen (z.B. Lisa ist dünner als Marie. Lisa ist dicker als Emily. Wer ist am dicksten?). An komplexen Problemen, die eine systematische Lösung benötigen scheitern Kinder in diesem Alter jedoch noch.

Diese Phase ist für die emotionale Entwicklung besonders wichtig. Psychische Belastungen, wie beispielsweise in einem Sorgerechtsstreit, haben besonders während dieser Phase einen großen Einfluss auf Kinder.

Formale Operationen (ab 12 Jahre)

Nach Piaget haben Teenager ab etwa zwölf Jahren die höchste Form des logischen Denkens erreicht. Sie entwickeln die Fähigkeit zu hypotetischem und abstraktem Denken. Soziale und moralische Fragen spielen in der Jugendzeit eine große Rolle. In einer Trennungssituation spiegelt sich das häufig in Schuldzuweisungen und Wut wieder. Das Kind ist jedoch bereits in der Lage sich eine eigene Meinung zu bilden. Ab dem 14. Lebensjahr werden Kinder im Sorgerechtsprozess verpflichtend vor Gericht angehört, um über ihr zukünftiges Leben selbst mitzuentscheiden.

Warendorfer Praxis

Um den Bedürfnissen der Kinder in Sorgerechtsprozessen besser gerecht zu werden, wurde im Kreis Warendorf in Nordrhein-Westfalen ein Leitfaden entwickelt, der Richtern einen Anhaltspunkt und eine Hilfestellung für die Druchführung von Kindesanhörungen bieten soll. Der Leitfaden „Kind im Blick“ dient bereits vielen, aber leider noch nicht allen Gerichten als Grundlage. Er berücksichtigt die noch nicht abgeschlossene kognitive Entwicklung von Kindern.

Noch nicht in allen Bundesländern ist bei einer Kindesanhörung verpflichtend ein Psychologe anwesend. In einigen Ländern darf ein Richter, der eben kein Pädagoge, geschweige denn Psychologe ist, ein Kind eigenverantwortlich anhören und über dessen Glaubwürdigkeit entscheiden. So kommt es, dass Kindesmanipulation im Sorgerechtsprozess für das Trennungsmoster oft so erfolgsversprechend ist. Das Kind gibt weiter, was ihm gesagt wurde und das Gericht übernimmt diese Aussage unreflektiert.

Der Leitfaden der Warendorfer Praxis will dies verhindern und gibt dem Gericht einige Mindestanforderungen für die Anhörung von Kindern auf. So sind beispielsweise Äußerungen eines Kindes nur durch offene Fragestellungen einzuholen. Geschlossene Entscheidungsfrage, wie etwa „Möchtest du lieber bei Mama, oder bei Papa wohnen?“, oder gar Suggestivfragen, wie „Dir gefällt es doch bei der Mama?“, sollen unbeding vermieden werden. Auch empfiehlt der Leitfaden, dass Kinder von einer neutralen Person zur Anhörung gebracht werden, um ein akutes Einwirken, zumindest direkt vor der Kindesaussage, zu verhindern. Aussagen von Kindern sollen immer im Gesamtzusammehang und reflektiert bewertet werden.

Eine fachgerecht durchgeführte Kindesanhörung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Manipulationen erkannt und aufgedeckt werden. Leider werden diese oftmals selbst dann nicht durch das Gericht sanktioniert. Hier muss sich im Familienrecht noch einiges ändern um Trennungskinder zu schützen.

Vorstoß im Familienrecht?

Oder ein weiteres Schlachtfeld im
Sorgerechtsprozess bei Trennungskindern?

Am 09. März 2019 berichtete Spiegel Online von den Reformplänen der
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Dr. Franziska Giffey, in denen sie eine rechtliche Verbesserung der Stellung von Trennungsvätern bezweckt. Hierzu wurden verschiedene Stimmen und Meiungen laut.

Worum geht es in Kürze:
Es gehe nicht an, „dass der Vater weiterhin den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat“, sagte die SPD-Politikerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Hier setzen die Pläne nach einer Besserstellung in Form von auf den Unterhalt anzurechnenden Betreuungsleistungen des Väter und einer Änderung des Elterngeldes an, damit Väter nicht nur mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und verbringen können, sondern auch eine Entlastung dieser erfolgt.
Aber wie sollen die Väter entlastet und eingebunden werden, solange die Justiz und Behörden einen Elternteil (meist den Vater) nur als Zahlvater sehen und hierzu die Weichen stellen.
Das von der FDP angestrebte Wechselmodell als Grundlage, soll dazu verhelfen, wird aber in der Regel von den Gerichten und den betreuenden Elternteilen abgelehnt.
Der Großteil der Trennungskinder lebt nach der Trennung überwiegend oder ausschließlich bei der Mutter. Auch der Sprecher des Deutschen Familiengerichtstags sagt, dass es nach einem Verfahren überwiegend (in ca. 89% der Fälle, laut Bundesamt für Statistik) dazu kommt, dass die Kinder bei der Mutter verbleiben. Der Vater erhält meist nur ein Umgangsrecht. Manche Kinder sehen ihren Vater danach nur zweimal pro Monat.

Waren die Einen begeistert, über die geplanten Neuerungen, so wurden Andere skeptisch angesichts der aufkommenden Fragen zur Umsetzung und zu Folgeproblemen, bei denen am Ende in einem weiteren Gezerre um Zeiten wieder nur der Gedanke nach dem geldwerten Vorteil des betreuenden Elternteils im Vordergrund steht, statt einer Wahrnehmung der Interessen der beteiligten Kinder.

Artikel bei Spiegel Online, verlinkt am 15.03.2019

Auf den Punkt gebracht hat dies ein am 10. März 2019 veröffentlichter Offener Brief an die Ministerin, zu dem parallel vom Verfasser, Herrn Torsten Sommer, eine Petition ins Leben gerufen wurde, die in fünf Tagen über 300 Unterschriften generieren konnte.

Link zur Petition, verlinkt am 15.03.2019

Auch innerhalb verschiedenster Foren von Trennungseltern haben die Reformpläne hohe Wellen geschlagen. Während Väter in der Masse grundsätzlich für die Reform sind, wehren sich Mütterinitiativen gegen ein Wechselmodell als Basis und eine rechtliche Verbesserung der Trennungsväter, die ihren Kindern mehr sein möchten, als nur ein monatlich auf dem Konto erscheinender Posten. Hört man sich die Argumente an, wird aber schnell klar, dass es immer wieder um das Thema Geld geht, nicht um das Thema Kind.

Link zur MAZ vom 12.03.2019, verlinkt am 15.03.2019

Viele verschiedene Kommentare wurden daraufhin z.B. bei Facebook laut, die sich gegen das ewige „Wir Mütter haben aber dann kein Geld und müssen arbeiten“ wendeten, das immer wieder als Hauptargument durchblickt. Hinzu kommen Posts von Trennungsmonstern, die die Diskussion und die Argumente der Mütter in ein anderes Licht rücken, als dem Kindeswohl zu dienen.

Quelle: Facebook

Schließlich wird aber nur die Zeit zeigen, in wie weit es sich bei den Plänen angesichts anstehender Wahlen nur um Lippenbekenntnisse handelt oder tatsächlich eine Reform des Unterhaltsrechts zu erwarten ist. Und darüber hinaus, wie die Elternteile den ggf. neuen Regelungen begegnen.
Eines steht mit Sicherheit fest. Sollten die Eltern ihrer gemeinsamen Verpflichtung als mündige Bürger nachkommen und eigene egoistische Wünsche und Rachegelüste hinter den Bedürfnissen der Kinder nach beiden Elternteilen zurückstellen können, dann hätte es keine Reform nötig, die so energisch diskutiert wird.

Und dann bringe ich sie einfach um…

Aus der Hilflosigkeit der Erwachsenen Opfer von Trennungsmonstern, der Ex-Parner, ist bereits manchem der Gedanke an Rache gekommen. Durchaus verständlich wenn man bedenkt, dass sie hilflos zusehen müssen, wie das eigene Kind von der Mama (oder statistisch gesehen seltener, dem Papa) psychisch gequält und misshandelt wird. Während er sieht wie sein Kind leidet, wird das Verhalten der Mutter oftmals von Gerichten und auch von der Umgebung legitimiert.

Vor allem wenn erlogene Misshandlungsvorwürfe im Spiel sind, macht es sich so mancher freiwillig alleinerziehende Elternteil in der Opferrolle bequem. Die Unterstützung von Nachbarn und Freunden ist häufig groß. Wer würde nicht der armen geschlagenen Frau helfen wollen. Und dass diese Frau die Vorwürfe aus Eigennutz lediglich erfunden haben könnte, ist ein derart abscheulicher Gedanke, dass viele ihn nicht einmal in Erwägung ziehen wollen. Genau diese Tatsache, dass das Verhalten dieser Trennungsmonster gegenüber echten Gewaltopfern ein Hohn ist, spielt ihnen in die Hände. Da niemand sich vorwerfen lassen möchte, ein Opfer von häuslicher Gewalt im Stich gelassen zu haben, neigen auch Behörden dazu, die eine oder andere Leistung bereits nach rudimentärer Prüfung zu gewähren. So kommt es, dass der Papa in einigen Fällen einfach durch eine vom Steuerzahler bezahlten Haushaltshilfe ersetzt wird. Wer würde da nicht wütend?

Während nun die freiwillig alleinerziehende im gemachten Nest sitzt, darf der Papa die Kinder zwar nicht sehen, aber zahlen ist okay. Hier fragt dann Niemand, warum der Bedarf der Kinder nach Düsseldorfer Tabelle nun plötzlich höher ist, als das der Familie vor der Trennung zur Verfügung stehende Gesamteinkommen. Bei Geringverdienern und auch im gut situierten Mittelstand, ist das vor allem bei mehreren Kindern öfter der Fall, als vermutet.

Während die ja nun plötzlich gewollt Alleinerziehende natürlich nach ihrer Aussage überhaupt nicht arbeitsfähig ist, da ja die Kinder versorgt werden müssen, soll der aus dem Leben der Kinder unfreiwillig Ausgeschlossene das bezahlen. Hierfür wird er auf den Selbstbehalt heruntergekürzt. Rechnet man nun Gerichts- und Anwaltskosten aus dem Kampf für die Kinder dazu, ist der Papa, rein rechnerisch, nun dem Ruin nahe.

Ich kann jeden verstehen der nun wütend ist und dem Trennungsmonster alles Schlechte der Welt wünscht. Jeder mit ein wenig Gerechtigkeitssinn würde einen solchen Gedanken wohl mindestens in Erwägung ziehen. Dennoch ist das nicht der richtige Weg.

Dies ist sicher kein Aufruf zum Schutz der Trennungsmonster, sondern ein Aufruf zum Schutz der kleinen Opfer. Der Kinder.

Genauso wenig, wie es das Trennungsmonster schafft, dass das Kind den Ex-Partner wirklich nicht mehr lieb hat – ja das manipulierte Kind wird das vielleicht nach einer Zeit sagen, aber das ist eine Lüge – wird das Kind aufhören, das Trennungsmonster zu lieben. Zumindest solange es klein ist. Damit bestraft man das Kind, wenn man dem Trennungsmonster schadet. Und damit bestrafen sich Trennungsmonster selbst.

Sie belügen ihre Kinder, bauen psychischen Druck auf und missbrauchen ihr Vertrauen. Ein kleines Kind, das natürlicherweise Mama und Papa lieb hat, wird das zunächst so hinnehmen, seine Wut, den Schmerz und die Enttäuschung anders kompensieren und sich weiterhin über das Trennungsmonster freuen. So ist das leider mit Kindern, auch Kinder die zuhause geschlagen werden sagen, wenn man sie fragt, dass sie ihre Eltern sehr lieb haben.

Was Trennungsmonster übersehen ist, dass ihre Kontrolle über das Kind sich nur auf die begrenzte Lebensspanne eben seiner Kindheit erstreckt. Kinder werden erwachsen und fangen an Zusammenhänge zu begreifen.

Innerhalb unserer Aufklärungsarbeit haben wir mit einigen Erwachsenen gesprochen, die als Kind Opfer von Trennungsmonstern waren. Ein Großteil von ihnen hat den Kontakt zum Trennungsmonster komplett abgebrochen. Viele suchten stattdessen nach dem damals ausgeschlossenen Elternteil und haben heute mit diesem ein gutes Verhältnis. Das Trennungsmonster hingegen ist allein.

Trennungsmonstern muss auf rechtlicher Ebene Einhalt geboten werden. Persönliche Rache hilft der Sache nicht.

Das ist ein schwacher Trost für alle, die die Kindheit ihrer Kinder verpassen. Trotzdem werden sie immer die Helden ihrer Kinder bleiben.

In diesem Text wird das Trennungsmonster als weiblich dargestellt. Das begründet sich dadurch, dass in der heutigen Rechtsprechung oft nach dem Grundsatz „Die Mama ist immer besser“ entschieden wird. Das bietet Müttern einen Anreiz zum Trennungsmonster zu werden. Statistisch gesehen, sind sie es häufiger als der Vater. Wir missachten dennoch NICHT den Umstand, dass es auch männliche Trennungsmonster gibt.

Genauso gibt es Väter, die sich nicht für ihre Kinder interessieren. Diese, genauso wie Rabenmütter, denen ihre Kinder egal sind, sind nicht Thema dieser Seite.